Ein kurzer Überblick
Das Strukturmodell zur Pflegedokumentation begleitet pflegendes und betreuendes Personal inzwischen seit vielen Jahren. Ursprünglich wurde es entwickelt, um den Dokumentationsaufwand in den Einrichtungen zu reduzieren und gleichzeitig die Fachlichkeit professioneller Pflege zu stärken. Im Mittelpunkt stehen dabei eine person-zentrierte Pflege, eine übersichtlichere Dokumentation und die Konzentration auf pflegefachlich relevante Informationen.
Mit den nun veröffentlichten Informations- und Schulungsunterlagen wurde das Strukturmodell umfassend überarbeitet und an aktuelle Entwicklungen angepasst. Dabei geht es nicht um eine vollständige Neuausrichtung, sondern vielmehr um eine fachliche Aktualisierung, Klarstellung und Weiterentwicklung bestehender Prinzipien.
Warum eine Überarbeitung notwendig wurde
Nach Einschätzung des Projektbüros EinSTEP haben sich in der Praxis im Laufe der Jahre unterschiedliche Varianten der Umsetzung entwickelt. Nicht alle davon standen noch vollständig im Einklang mit den ursprünglichen Zielen des Strukturmodells. Teilweise führte dies dazu, dass gewünschte Effekte – etwa die Entbürokratisierung oder die stärkere fachliche Steuerung des Pflegeprozesses – nur eingeschränkt erreicht wurden.
Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen in der Praxis deutlich verändert. Neue gesetzliche Anforderungen, die zunehmende Digitalisierung, die Diskussion um Personalbemessung sowie neue Anforderungen an Qualitätssicherung und Pflegeprozesse wirken sich unmittelbar auf die Pflegedokumentation aus.
Die neuen Schulungsunterlagen sollen deshalb Orientierung geben und bestehende Unklarheiten in der praktischen Anwendung des Strukturmodells aufgreifen.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
Eine der größten Neuerungen betrifft den grundsätzlichen Aufbau der Schulungsunterlagen. Die Inhalte wurden neu gegliedert, gestrafft und in drei zentrale Kapitel unterteilt. Besonders neu ist dabei ein zusätzliches Kapitel zu aktuellen Entwicklungen in der Langzeitpflege und deren Bedeutung für das Strukturmodell.
Dort werden unter anderem Themen wie:
- Personalbemessung (PeBeM),
- Vorbehaltsaufgaben nach dem Pflegeberufegesetz,
- Digitalisierung,
- Künstliche Intelligenz,
- Qualitätsprüfungen und
- Expertenstandards
im Zusammenhang mit der Pflegedokumentation eingeordnet.
Auch die praktische Anwendung des Strukturmodells wurde an mehreren Stellen präzisiert. Besonders die Themen Evaluation, Matrix in der SIS® sowie die einheitliche Verwendung bestimmter Begrifflichkeiten wurden ausführlicher beschrieben und fachlich geschärft.
Neu ist außerdem, dass die Evaluation nun als eigenständiger Bestandteil des Strukturmodells hervorgehoben wird. Dabei wird stärker betont, dass Evaluation individuell und anlassbezogen erfolgen soll – und nicht als schematische Routine.
Nach Freigabe des neuen technischen Implementierungsprofils werden auch in Sinfonie entsprechende Anpassungen an der SIS® umgesetzt und im Rahmen eines Updates zur Verfügung gestellt.
Digitalisierung und KI stärker im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Version liegt auf der digitalen Pflegedokumentation. In den Unterlagen wird inzwischen ausdrücklich davon ausgegangen, dass Dokumentation überwiegend EDV-gestützt erfolgt.
Gleichzeitig greifen die neuen Schulungsunterlagen erstmals ausführlicher das Thema Künstliche Intelligenz auf. Dabei wird beschrieben, wie technische Unterstützungssysteme pflegendes und betreuendes Personal künftig begleiten könnten – beispielsweise bei Dokumentation, Informationsauswertung oder Entscheidungsunterstützung.
Dennoch wird deutlich hervorgehoben, dass technische Systeme fachliche Entscheidungen nicht ersetzen sollen. Vielmehr wird KI als unterstützendes Werkzeug verstanden, das Fachlichkeit stärken kann, ohne die Verantwortung der Mitarbeiter abzulösen.
Person-zentrierung bleibt zentral
Trotz aller technischen und organisatorischen Entwicklungen bleibt der person-zentrierte Ansatz weiterhin das Kernprinzip des Strukturmodells.
Die neuen Unterlagen betonen erneut, dass nicht Diagnosen oder Defizite im Mittelpunkt stehen sollen, sondern die individuelle Situation, die Wünsche und die Perspektive der pflegebedürftigen Person.
Auch die SIS® wird weiterhin als Grundlage verstanden, um Informationen nicht schematisch abzufragen, sondern im Rahmen eines Verständigungsprozesses zwischen betreuender Person und pflegebedürftiger Person zu erfassen.
Damit verbunden bleibt auch das ursprüngliche Ziel des Strukturmodells bestehen: eine Pflegedokumentation, die fachlich sinnvoll, alltagstauglich und möglichst schlank gestaltet ist.
Zwischen Weiterentwicklung und Alltagspraxis
Mit der Version 3.1 wird deutlich, dass das Strukturmodell weiterhin als zentrale Grundlage für die Pflegedokumentation in vielen Einrichtungen gesehen wird. Gleichzeitig zeigen die neuen Unterlagen aber auch, wie stark sich die Anforderungen an Einrichtungen in den vergangenen Jahren verändert haben.
Wie lassen sich Entbürokratisierung, Qualitätssicherung und zunehmende gesetzliche Anforderungen langfristig miteinander verbinden?
Welche Hilfestellungen werden digitale Systeme und KI künftig im Alltag bieten?
Und wie viel Spielraum bleibt Einrichtungen künftig noch für individuelle organisatorische Lösungen?
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich das Strukturmodell unter den veränderten Rahmenbedingungen weiterentwickelt – und welche Bedeutung dabei Fachlichkeit, Digitalisierung und person-zentrierte Pflege künftig einnehmen werden.
